Ob das Geschäft mit entgeltlichem Sex als Gewerbe wirklich älter ist als die Jagd und die Landwirtschaft, kann dahingestellt bleiben. Auch die Frage, ob man es gänzlich verbieten sollte, ist müßig. Die Geschichte lehrt, daß man, ähnlich wie den Verkauf von Alkohol, gewerblichen Geschlechtsverkehr nicht vollkommen unterbinden kann. In Deutschland begnügt man sich deshalb damit, das Rotlichtmilieu zu kontrollieren und örtlich zu beschränken. Insbesondere deshalb, weil Liebesdienerinnen auch stets sonstige Verstöße gegen die Rechtsordnung anziehen, angefangen von Drogen über Geldwäsche bis hin zu Gewaltdelikten, werden Sperrgebiete errichtet.
Alles keine Besonderheiten.

Mancherorts gilt käufliche Liebelei bereits als normal.

Allerdings bliebt die Frage, ob es sich wirklich um einen Beruf wie jeden anderen handelt. Dies wird allzu gerne von Vertreterinnen des horizontalen Gewerbes behauptet. Man kann sich jedoch nur schwer vergegenwärtigen, wie bei alle den mehr oder weniger unangenehmen Dienstleistungen ein unbeschwertes Geschlechtsleben der Bordsteinschwalben noch möglich sein soll. Kann man trennen zwischen unappetitlichen Kunden, die einen anfassen und dem lüsternen Herrn seines Herzens? Hat man überhaupt noch gesunden Appetit auf sexuelle Aktivitäten, die nicht bezahlt werden? Zwar mag der Automechaniker auch in seiner Freizeit an Oldtimern herumbasteln; auch mag der Psychologe seine Kenntnisse nicht in Anwesenheit seiner Lebensgefährtin vergessen. 
Aber ist es luststeigernd, wenn einen der eigene Freund oder auch Mann an die Ausübung der Sexualität mit so manchem eher unansehnlichen Kerl erinnert?

Will man in seiner Freizeit nicht auch einmal frei haben und das nicht machen, mit was man seine Brötchen verdient?

Zwar mag man sagen: Was ist schon normal? Und gerne werden in solchen Diskussionen Damen angeführt, die nur des Geldes wegen geheiratet haben. Die sich ohne Gefühl nur in das Vermögen eines Widerlings verliebt haben. Wobei: Ist das der Maßstab, an dem man sich messen sollte? Mögen solche Ehefrauen auch mit vollem Körpereinsatz ihren Traum vom wahren Märchenprinzen unter einem Berg teurer Waren und Luxushäuser und glänzender Schmuckstücke begraben, erstrebenswert und moralisch hochwertig macht das die Prostitution noch lange nicht.
Und: Kann man sich eine Schulklasse vorstellen, in der kleine Kinder ihre Berufswünsche äußern, wo neben dem Arzt, dem Feuerwehrmann oder meinetwegen dem Superstar auch der Berufswunsch "Nutte" genannt wird, ohne unangenehm berührt zu sein?

Empfände man das tatsächlich als "ganz normal"?

Und noch ein Umstand kommt hinzu, der in dieser Diskussion oft ins Feld geführt wird: Fast jede Hure malt auch das Bild an die Wand, wie schlimm es doch wäre, wenn es keine leichten Mädchen gäbe, die die bösen Gelüste ablenken würden. Dann würden selbstverständlich viel mehr Frauen vergewaltigt werden, weil sich die Triebe nicht entsprechend entladen könnten. Die Gunstgewerblerinnen dienten hierbei gewissermaßen als Ventil.
Das mag ich nicht zu glauben.
Wie wäre es denn, wenn es die Möglichkeit nicht gäbe, daß man Geld zahlt und dafür den Geschlechtsverkehr ausüben würde? Würde man dann nicht gleichwie gezwungen sein, sich mehr um das weibliche Geschlecht zu bemühen? Wenn es die Gleichung Geld=Sex nicht gäbe, würden die Männer in einer Welt aufwachsen, in der es solche Damen nicht gäbe, denen im Grunde ihre Verachtung gilt. Man würde anders aufwachsen, würde vielleicht schlicht sensibler miteinander umgehen, mehr um die Gunst der Dame seines Herzens oder seiner Hose buhlen und käme vielleicht gar nicht auf den Gedanken derart einfacher und unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung. Daß man sich dann jede Frau gewaltsam vornimmt, das scheint mir wenig realistisch zu sein.
Wer hätte früher, als es Internet oder Handy noch nicht gab, ohne diese Dinge leben können? Wer hätte ohne Fernsehen auskommen können, bevor die Röhre erfunden wurde?
Wer könnte ohne Auto auskommen, wenn es diese nicht gäbe?
Jeder.

Was es nicht gibt, auf das kann man kaum scharf sein.

Und wie soll man als sogenannter "Freier" (obwohl man eher selten direkte Heiratsabsichten hat) unterscheiden zwischen käuflicher und nicht käuflicher Frau? Wird man sein Frauenbild, nachdem man jede Frau haben kann, die Geld dafür nimmt, nicht auch unbewußt auf ehrbare Frauen übertragen? Wird sich insoweit sexuelle Verweigerung nicht schlimmer für die unwillige Dame auswirken, als gäbe es keine Beispiele für Frauen, die sich jedem jederzeit bei entsprechender Entlohnung körperlich zur Verfügung stellen? Wie soll man jemandem begegnen, der auch im Gunstgewerbegebiet wildert? Kann man von so jemanden Tiefe und Ehrlichkeit in der Empfindung erwarten?
Eher nicht.

Aber die Welt will betrogen sein.
Ob das auch für die Partnerin gilt, bleibt dahingestellt. 
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