Viel zu haben, ist das Ziel von Vielen. Da die meisten nicht viel haben, ist es naheliegend, sich etwas zu wünschen, was man nicht hat. Jeder will das, was er nicht hat. Menschen mit Locken wünschen sich glattes Haar; Handwerklich begabte wünschten, sie könnten Künstler sein; kleine Männer würden gerne größer sein, während Große gerne weniger oft gegen Türrahmen rennen würden. Nur bei Reichtum dagegen hat auch derjenige, der ihn schon hat, nichts dagegen. Im Gegenteil: Er hätte gerne noch mehr, er kann gar nicht genug haben.
Er hat nie genug.

Dabei ist doch die Hoffnung mit Reichtum verbunden, man wäre endlich zufrieden.

Reichtum, ist das doch nicht nur Mittel zum Zweck? Mittel, um sich alles leisten zu können, was man braucht und noch einen Tick mehr. Flüssige Mittel, mit denen man sich feste Werte wie Häuser und feste Beziehungen finanzieren kann, lockere Verhältnisse und mal auch etwas für etwa völlig Sinnloses locker machen kann, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.
Alles wunderbar also, wenn man reich ist?

Hat denn Reichtum keine Schattenseiten? 

Es ist schon viel gesagt worden über die Nachteile des Geldes: Angefangen von der Angst, um es gebracht zu werden (das habe ich schon in diesem Blog beleuchtet) über die Veränderung, die es mit sich bringt, weil man überall angebettelt wird und bei Zurückweisung entsprechender Bitten als arrogant angesehen wird, hin zu der Erkenntnis, daß es doch nicht am finanziellen Engpaß lag, daß man unglücklich war und man nun eine Ausrede weniger parat hat.
Alles ist schon so oft beschrieben worden, daß es müßig ist, darüber noch viele Worte zu verlieren.

Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. 

Denn warum denkt bei Reichtum jeder nur an ein Übermaß an materiellen Werten? Warum denkt keiner an Immaterielles, an ein Übermaß an Güte, an Intelligenz, an Einfühlungsvermögen oder auch an Kreativität? Reich zu sein an Freunden oder auch schlicht an Zufriedenheit? Wozu soll Reichtum dienen, wenn nicht der Zufriedenheit? Was bedeutet Macht und Einfluß, Berühmtheit und Luxus, wenn man nicht zufrieden wäre? Letztlich kann doch Sinn von Reichtum nur sein, sich etwas kaufen zu können, was den Eigentümer zufrieden machte, jedenfalls zufriedener. Reichtum, der zu Unzufriedenheit führt, ist nicht annähernd das, was man sich von ihm versprochen hatte. Reichtum, der einen zweifeln läßt, ob die Freunde wirklich solche sind, Reichtum, der einen in Angst vor Verbrechern in seiner Lebensführung massiv einschränkt, ist letztlich nichts wert. 
Und mehr als ideelle Werte wie Freude und eben Zufriedenheit kann man kaum im Leben erlangen. 

Wer will schon enden wie Bürger Kane?

Zwar mag die Nachwelt einem keine Kränze flechten. Aber ist es nicht besser, vergessen zu werden, aber mit einem Gefühl innerer Befriedigung gelebt zu haben, als zwar sein Leben gehasst zu haben, dafür aber unvergessen zu sein für einige Generationen? Was kann man sich für Geld kaufen, das nicht ein anderer ebenso für Geld kaufen könnte? Würde man sich etwas kaufen, mit dem man bewußt unzufrieden ist? Sicher nicht.
Warum glaubt man dann, man wäre reich jedenfalls glücklicher als man ist?

Glaubt man, Geld verändert einen auf jeden Fall zum Guten hin, läßt einen all das, was man nicht mag, vergessen? Läßt all das Schlechte verschwinden, nur, weil man sich ein großes Auto und ein noch größeres Haus mit wunderschönen Möbeln und den teuersten Klamotten leisten kann? Paßt man noch zu seinen alten Freunden, seinem angestammten Umfeld und vor allem: Zu sich selbst?

Bringt der materielle Reichtum auch geistigen Reichtum? 

Was hättest du davon, du hättest die ganze Welt gewonnen, aber dich selbst verloren? Dieses berühmte Zitat ist insofern falsch. Es muß heißen: Was hast du davon, wenn du die ganze Welt verändern kannst, dich selbst aber nicht?
Wie aber willst du dich verändern, wenn du reich bist? Willst du dich überhaupt verändern? Mußt du dich verändern?
Warum eigentlich?

Bist du käuflich durch dein Geld?

Ist nicht dein Bankkonto dein Problem, sondern du?
Was bringt dir dann dein Reichtum?

Dennoch: Am liebsten würden wir alle diese Woche noch im Lotto gewinnen. Scheiß auf den Charakter. Wenn ich erst Geld habe: ich werde mich nicht ändern, warum auch?
Wenn ich mehr Geld hätte, wäre alles gut.

Wieviel mehr? Und warum sollte das so sein? 
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