Als Außenseiter werden gewöhnlich Menschen bezeichnet, die außerhalb der Gesellschaft stehen, üblicherweise isoliert und allein auf sich gestellt sind, die keiner größeren Gruppierung angehören und sich von den Durchschnittsbürgern deutlich unterscheiden. Wobei Manche darunter jeden einordnen, der nicht irgendeiner Gruppe zuzuordnen ist: So ist aus Sicht junger Menschen ein Senior ein Außenseiter (was in einer Diskothek vermutlich sogar zutrifft), umgekehrt ein Jungspund unter lauter Älteren ebenso (zum Beispiel ein Jugendlicher im Altersheim).
Wobei man, um Außenseiter zu sein, durchaus ein Leben als solcher führen muß, um auch als Außenseiter durchzugehen.

Der Jugendliche aus dem Altersheim geht abends in die Disco, der Betagte zurück ins Lebensabendheim. Und beide verschwinden in der Masse Gleichgesinnter. 

Wenn man die Sache so betrachtet, gibt es kaum Außenseiter. Auf diese Art und Weise kann man jeden potentiellen Außenseiter als Mitglied einer Gruppe sehen, die wegen ihrer gesellschaftlichen Relevanz nicht aus Außenseitern bestehen kann. Dann sind alle Sozialhilfeempfänger keine Außenseiter, denn sie sind weder abseits der Gesellschaft (dafür sind es zu viele), noch isoliert, weil man auch unter sich bleiben kann und man auch eine gesellschaftlich relevante Gruppierung bildet (wenn auch reichlich unorganisiert). Schwergewichtige Menschen sind keine Außenseiter, denn ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist übergewichtig und Fettleibige sitzen zum Teil auch in Spitzenpositionen. Selbst behinderten Mitmenschen wird man die Außenseiterqualität absprechen müssen, ebenso Mitmenschen mit afrikanischen oder asiatischen Vorfahren, denn diese sind längst in unserer Gesellschaft angekommen.
So betrachtet, tut man sich schwer, überhaupt Außenseiter zu finden.

Man muß wohl mehr darauf abstellen, wie die Gesellschaft insgesamt mit bestimmten Teilen der Bevölkerung umgeht. Sieht man diese an den Randbereichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit, werden sie nach außen gedrängt, dann befinden sie sich an der Außenseite des Gebildes, das die Gesellschaft darstellt.
Im Englischen gibt es noch das Gegenstück: Den Insider, der Kenntnisse hat, die nicht alle haben.

Im Deutschen gibt es keinen Innenseiter, der das Gegenteil eines Außenseiters wäre. Warum eigentlich nicht? 

Ich stelle mir das wie ein Haus vor: Die Anerkannten sind in der Mitte, wo es warm ist, alle sich um sie herum scharen und alle gleich weit weg von diesen Begehrten entfernt sind. Die Außenseiter bilden die Außenseiten des Hauses, sie wurden aus der Mitte hinausgedrängt, gehören dazu, ohne von innen wirklich wahrgenommen zu werden. Denn von innen kann man die Außenseiten nicht sehen. Sie stehen außen, sind Teil des Hauses und auch das Aushängeschild einer Gesellschaft (denn daran erkennt man den Wert einer solchen: Wie sie mit ihren Außenseitern umgeht), aber dürfen sich nicht am warmen Ofen laben, sondern sind Kälte und Wind schutzlos ausgeliefert. Sie bekommen die rauhe Härte der Wirklichkeit um sie herum mit, bekommen allenfalls ab und zu einmal einen neuen Anstrich, was aber an ihrem eher freudlosen Dasein nichts ändert.
Wobei: Muß das Leben eines Außenseiters ohne Freunde sein?

Wievielen Außenseitern verdanken wir Kunstwerke von herausragender Bedeutung und Erfindungen, ohne die die Menschheit nicht mehr glaubt, auskommen zu können? 
Nicht jeder Außenseiter läuft gleich Amok, weil bisweilen die Wut auf die Anderen durch ein offenes Ohr zur rechten Zeit viel abzufedern vermag. Und man kann Anderssein auch tolerieren und das Recht, anders sein zu dürfen, anerkennen.
Achtung vor dem Gewöhnlichen haben allerdings viel mehr Menschen als vor dem Besonderen.

Oft lösen Außenseiter auch Angstgefühle vor dem Ungewohnten aus und erfahren dadurch Ablehnung. 

Wobei so mancher, den der Rest der Welt als Außenseiter sieht, in seiner selbstgewählten Aufgabe aufgeht und dort Fähigkeiten offenbart, die keinen Zweifel an seiner gesellschaftlichen Bedeutung zulassen. Außenseiter zu sein, ist kein Prädikat objektiver Wertlosigkeit, sondern nur eine Sichtweise subjektiver Beziehung zum Kern der Gesellschaft. Und so mancher Misanthrop empfindet seine Isolation auch gar nicht als Last, genießt die wenigen, dafür echten Freundschaften und geht in seiner Aufgabe auf (so er eine hat). 
Und er läßt es für sich nicht zu, als Außenseiter zu gelten.

Es kann einem auch herzlich egal sein, wenn man ein erfülltes Leben führt.

Oder ist der Außenseiter gar nur ein solcher, wenn man sich als solcher zu fühlt? Hat es also der Außenseiter selbst in der Hand, abgesehen von objektiven Kriterien, sich durch seine eigene, subjektive Sicht aus seiner Außenseiterrolle zu lösen? Hat man das nicht immer: Sein Schicksal in der eigenen Hand, indem man sich nicht um die Wertungen anderer schert? Indem man seinen eigenen Weg geht?
Seinen eigenen Weg gehen: Davon gibt es wenige.

Bisweilen auch zu wenige. Wer sich eine eigene Meinung leistet, wird schnell zum Außenseiter. Wenn man es zuläßt. 
Und sich nicht allzu viele Menschen dieser Meinung anschließen und einen in die Mitte nehmen. 
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