"Armenrecht" hieß das früher. Das hielt man aber wohl für nicht mehr zeitgemäß. Denn die modernen Zeiten verlangen, daß man das Kind nicht beim Namen nennt, wenn ihm der Name nicht gefallen würde. Hierbei hat man sich weniger am Wort "Recht" gestört, sondern vielmehr daran, Bedürftige als "arm" zu bezeichnen. Obwohl sie das sein müssen, wenn sie Sozialhilfe beziehen. Aber man darf sie nicht als Arme bezeichnen. Vielmehr ist das Geld, das man ihnen zuwendet, als Hilfe zu sehen. 
Aber nicht, weil sie arm wären, sondern augenscheinlich aus sozialen Gründen.

Denn sozial zu sein, das klingt schick und verantwortungsbewußt, das klingt nach Engagement, das klingt nach einem gedeihlichen Miteinander. 

Dabei geht es nur darum, solche Menschen, die sich nicht selbst ernähren können, das Nötigste zukommen zu lassen. Das ist nicht überall auf der Welt der Fall. Es gibt durchaus Länder auf dieser Erde, dessen Staatsgewalten es hinnehmen, daß Arme verhungern könnten. Man kann stolz darauf sein, in einem Staat zu leben, in dem schon von Gesetzes wegen für alle gesorgt ist. Allerdings ist die Kultur der Almosen in anderen Ländern weiter entwickelt als in unserem. So werden großzügige Menschen in arabischen Staaten nicht nur vom Beschenkten gelobt und angepriesen, Gaben sind dort auch regelmäßige und gleichmäßige Zahlungen, die auch von der Religion gefordert werden und die unserer Sozialhilfe nahezu gleichgestellt werden können. 
Allerdings eben nicht staatlich, sondern privat organisiert. 
Es liegt nun nicht allein daran, daß in unserem Land alles gesetzlich geregelt werden muß, sondern auch und vor allem daran, daß man hierzulande nicht nur Sparsamkeit, sondern auch Geiz für eine Tugend hält, sodaß der Staat einspringen muß.

Während allerdings der Theorie nach Sozialhilfe das letzte Mittel sein muß, wenn alle anderen Stricke reißen, sieht man staatliche Unterstützung mehr und mehr nicht nur als Selbstverständlichkeit, sondern auch als eine Art Lebensstandards-Garantie. Auch empfindet so mancher Empfänger den Zustand nicht als Übergangsstadium, sondern als Dauerlösung. Und man hat auch kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man nichts an seiner eigenen Situation ändert. 
Einfach, weil man doch einen gesetzlichen Anspruch auf Zahlung hat.

Wenn man das kann und könnte.

Nicht alle Sozialhilfeempfänger sind dazu in der Lage. etwa Kranke, behinderte Menschen oder Alleinerziehende. Aber diejenigen, die es wären, belasten die öffentlichen Finanzen und mindern auch die Ansprüche der wirklich Bedürftigen. Denn der Topf, aus dem gezahlt wird, steigt nicht mit der Zahl der Hilfesuchenden. Sondern mit der Zahl der Einzahler, die durch jeden einzelnen Empfänger weiter gemindert wird. Und da die Sozialhilfe als Lebensweise auch von den Generationen vererbt wird und durch fehlende Ausbildung auch weitere Bedürftige dazukommen, steigt die Zahl der Unterstützten ständig.
Das kann nicht gut gehen.

Irgendwann werden die Sozialsysteme zusammenbrechen.

Auch die Problematik, daß man in einfachen Berufssparten zuweilen weniger verdienen kann als bei vollschichtiger Arbeit, führt nicht gerade zum Anreiz, von seiner Hände Arbeit zu leben. Wer arbeiten könnte, sollte auch arbeiten müssen. Nur wer nicht arbeiten kann, dürfte der Allgemeinheit anheimfallen. Denn nur dann ist Sozialhilfe ultima ratio. Nur dann kann man nicht anders.
Aber wer anders kann, sollte nicht in seinem Phlegma unterstützt werden.

Faulheit ist keine Form der Bedürftigkeit.

Eine Gesellschaft, die vorwerfbare Untätigkeit unterstützt, fördert die Muße. Und Muße, die allgemein Anerkennung findet, führte nicht nur im alten Rom über das Stadium der Dekadenz zum Untergang. Eine Nation sollte durchaus auch für die geistige Befindlichkeit ihrer Bürger sorgen, für einen allgemeinen Bildungsstand, für ein allgemeines Gesundheitswesen, aber auch für eine soziale Verantwortung des Einzelnen für das Gemeinwesen. Das ist eine Verantwortung der Allgemeinheit für den Einzelnen, aber nicht im Wege einer Einbahnstraße. Auch der Einzelne muß sich dem Gemeinwesen verpflichtet fühlen und nach seiner Kraft zum sozialen Gefüge alles beitragen, was in seiner Macht steht.
Hier sich nicht um das Wohl und Wehe der Allgemeinheit zu scheren, ist verwerflich.

Diese Haltung aber auch noch vom Staat zu unterstützen, ist gefährlich. Und kann dazu führen, daß sich die Solidarität der Zahlenden in ein Unverständnis für diese Art sinnferner Sozialhilfe wandelt bis hin zur Weigerung, überhaupt noch Bedürftigen unter die Arme zu greifen.
Armen würde man helfen. Aber sozial zu helfen, das bedeutet doch: Wir alle sind das Sozialwesen.

Also helfe ich mir selbst.
Da kann ich mein Geld auch gleich selbst behalten. 
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