Da wir in einer Freizeitgesellschaft leben, hat die Freizeit zwar an Besonderheit, aber nicht an Stellenwert verloren. Arbeitete man früher noch unter der Woche länger als heute und vor allem auch Samstags (ja, das gab es einst), so hat sich die Zeiteinteilung zunehmend in Richtung Freizeit verschoben. Wobei man im allgemeinen unter "Freizeit" diejenige Zeit versteht, die man nicht arbeitet.
Allerdings versteht jeder etwas anderes darunter.

Denn auch unter "Arbeit" versteht jeder etwas anderes.

Zählt hierbei Arbeit, die Spaß macht? Wer sein Hobby zum Beruf gemacht hat, wie verbringt der wohl seine Freizeit? Mit dem beruflichen Hobby außerhalb der Wochenarbeitszeit?
Oder muß Arbeit bezahlt sein, um als solche zu gelten? So mancher macht sich in seiner Freizeit auch nützlich, zählt das dann als Arbeitszeit? Obwohl man vermutlich nichts verdient, sich aber möglicherweise Ausgaben erspart, die man sich erst erarbeiten müßte.
Von was genau muß also Freizeit frei sein, um eben Freizeit zu sein?

Das Gegenteil "Unfreizeit" gibt es nicht.

Muß man sich etwa frei fühlen? Zumindest freier als wir uns als Untergebene eines Chefs fühlen können? Hat also ein Chef, der niemandem Rede und Antwort stehen muß, immer Freizeit oder gar niemals, da er sich auch außerhalb der Arbeitszeiten nicht freier fühlt mangels Unfreiheiten im Job? Oder kommt es allein auf die objektive Freiheit an, das Fehlen von Zwängen? Können also Gefangene keine Freizeit haben? Oder reicht es hierfür, sich seine Zeit frei einteilen zu können? Darf man seine Freizeit also nicht durchplanen, erst recht nicht von jemand anderem durchplanen lassen? Dann würde beispielsweise ein organisierter Urlaub nicht als Freizeit durchgehen. Muß es also Zeit sein, die man gewissermaßen verplempert? Bewirkt Kindererziehung, die man im Urlaub durchführt, weil sinnvoll genutzt - obwohl en passant erledigt - , daß es sich zwar um Urlaub, aber nicht mehr um Freizeit handelt?
Ist Zeit überhaupt verfügbar?

Es darf daran erinnert werden: Wir alle haben keinen Einfluß auf die Zeit.

Diese vergeht unabhängig von unserem Zutun, was wir auch tun und wie immer wir es tun. Und wir können uns, was die Zeit betrifft, immer unabhängig von ihr bewegen, selbst in der Arbeit, so wir eine haben. Arbeit schafft aber auch Freiheit, Unabhängigkeit von Eltern und dem Sozialamt. Man braucht nicht "Danke" zu sagen, wenn man sich etwas leistet. Wenn man es von selbst verdientem Geld bezahlt. Viele, die keine Arbeit haben, würden alles für eine Arbeitsstelle geben und können ihre viele Freizeit gar nicht so recht genießen.
Und das nicht einmal, weil sie sich teure Freizeitgestaltung nicht leisten können.

Sondern weil sie allzu gerne dazugehören würden zur Mitte der Gesellschaft, wo man durch seiner Hände Arbeit leben kann und nicht am Tropf des Sozialstaates hängt. Wie sieht ein Arbeitsloser die Freizeit? Kann er, der keine Arbeit hat, zwischen Freizeit und etwas anderem unterscheiden? 
Vor allem tut es dem Menschen nicht gut, allzu unbeschäftigt zu sein. 

Allzu gerne würde man seine vermeintliche Freizeit für eine Menge Arbeitszeit eintauschen. 

Denn das ist das Einzige, wovon er jede Menge hat. Freizeit ist nicht immer erstrebenswert: Nur dann, wenn man sie im Kontrast zur Arbeit sehen kann, im Unterschied zur bezahlten Tätigkeit.
Denn Freizeit muß man auch genießen können.

Die Freiheit sollte man sich schon nehmen. 
Wenn man Zeit dazu hat. 
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