Wer etwas unternimmt, ist nicht schon automatisch ein Unternehmer. Da muß man schon einen Wirtschaftsbetrieb in Angriff nehmen, um als Unternehmer zu gelten. Mit Kapitel - eigenem und geliehenen, mit Know-How (um es mal auf denglisch zu sagen, weil Fachwissen den Kern nicht ganz trifft), mit einer zündenden Idee, aber vor allem einem: einem Risiko.
Das wird gerne übersehen: Daß ein Unternehmen auch scheitern kann.

Jeder sieht, wie Unternehmer Geld scheffeln, aber wieviele Betreiber von Betrieben Schiffbruch erleiden und untergehen, das wird oft ausgeblendet, wenn es heißt: Der Arbeiter arbeitet und der Chef scheffelt.

Sei es, wie es sei: Mag auch der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer Lohn und Brot geben (nicht nur, wenn es ein sich um eine Bäckerei handelt), der Ruch der Ausbeutung des armen Angestellten hängt immer in der Luft, wenn man neidvoll vom schönen Leben spricht, das so ein Bonze von Unternehmer bekanntlich hat. Zwar kurbelt so ein Unternehmen die Wirtschaft an und stellt Dinge her, die wir alle täglich brauchen (oder vielleicht auch seltener, aber immerhin). Aber er kann sich von den Dingen deutlich mehr leisten als wir, die wir diese Dinge durch unser Hände Arbeit herstellen.
Egal, wie man es dreht und wendet: Selbständige sind doch alles Schmarotzer, die von der Arbeit ihrer Knechte und vom pervertierten, deutschen Steuersystem leben.

Wer das denkt, freut sich über die anstehende Wirtschaftskrise vermutlich wie ein kleiner Königstiger.

Was mir aber immer wieder auffällt, ist: Warum eigentlich "Unternehmer"? Gibt es auch einen Übernehmer? Ist das der, der eine Firma übernimmt, nachdem der Unternehmer sie gegründet hat? Oder wird der Unternehmer zum Übernehmer, wenn er sich mit seiner Unternehmung übernimmt? 
Unter etwas zu sein impliziert doch eher eine minder hohe Stellung: der Untermieter ist vom Hauptmieter abhängig; der Untergebene ist dem Vorgesetzten unterstellt; man wird durch eine Autoritätsperson einer Lehre unterzogen (Schüler würden sagen: Unterrichtet); der Unteroffizier ist dem Offizier meldepflichtig und muß diesen grüßen, und zwar zuerst; der Ober (nicht der Kellner) sticht den Unter.
Warum also heißt etwas, was in der deutschen Wirtschaftshierarchie ganz weit oben steht (böse Zungen behaupten: Noch über der Regierung), "Unternehmer"? 

Oder nimmt er etwas, und zwar unter sein Kommando, unter seine Fittiche: Das Heft in die Hand und die Hand (und das Geld) aus der Tasche?

Leider stellt sich bei deutlich mehr Unternehmern heraus, daß sie sich übernommen haben mit ihren hochfliegenden Plänen, als daß Unternehmen wirklich an die Fleischtöpfe kommen, meist mit Glück, aber auch einer Menge Arbeit - jedenfalls am Anfang. Mit einer Menge Papierkrieg, denn ein Unternehmen in Deutschland zu führen, bedeutet vor allem: Jede Menge Behörden mit jeder Menge Papier zu füttern. Insoweit unterstehen diese Unternehmen also doch jemanden, nämlich dem Staat. Der beaufsichtigt und kontrolliert, ob auch alle zig tausend Vorschriften eingehalten, und noch wichtiger: dokumentiert sind. Und dafür nimmt man auch noch Steuern, weshalb hier der Unternehmer mehr Untergeber ist. Der Staat selbst darf grundsätzlich keine Unternehmen führen, wobei auch dieser Grundsatz angesichts der Finanzkrise in Zweifel gezogen wird.
Muß der Staat sich dann selbst unterstehen und kontrollieren?

Werden wir dann alle Staatsbedienstete, also unkündbare Beamte?

Hoffen wir, daß es soweit nicht kommt. Und, daß sich die Unternehmer nicht alle übernommen haben und vom Staat als Unternehmer übernommen werden, so daß wir Untertanen auch gleichzeitig Untergebene sind.
Soviel "unter" sollte uns nicht unterkommen.

Das könnte aber passieren, wenn der Staat nicht endlich etwas unternimmt, ohne aber deswegen Unternehmer zu sein. 
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