Allseits viel beliebter, als es Polizei und Justiz, aber auch den Drogenberatungen lieb ist, werden chemische Substanzen in nicht-medizinisch bedingter Weise angewandt, um sich aufzuputschen, sich zu beruhigen oder schlicht, um die Freizeit ein wenig aufzupeppen. Allen Drogen ist aber eines gemein: Sie verändern die Sicht auf die Realität. Und legen den Verdacht nahe: Man kann die Realität nicht ändern oder zumindest verbessern, also verändert man zumindest die Wahrnehmung derselben.
Jetzt erfolgt ein Aufschrei: Und was ist mit Alkohol?

Alkohol ist auch kein gutes Zeichen, wenn man nicht des Geschmackes wegen, sondern der Wirkung auf einen selbst wegen trinkt.

Wobei Drogen angeblich die Wirkung haben, Empfindungen zu verstärken. Ich glaube aber, daß Empfindungen nur gefiltert werden. Und vor allem, daß man sich um so manchen wunderbaren Moment im Leben bringt. 
Wenn man die wenigen wirklich einzigartigen Augenblicke Revue passieren läßt, in denen man wirklich und wahrhaftig gelebt hat, in denen jede Faser des Seins in völligem Einklang mit dem Universum war (das klingt pathetisch und groß, aber diese besonderen Momente meine ich gerade): Etwa der erste Kuss, der erste Geschlechtsverkehr, wenn man das erste Mal in die Augen eines geliebten Wesens blickt und erkennt, daß man von diesem wunderbaren Engelswesen auch geliebt wird, wenn man sich selbst übertroffen hat, sich einen langwährenden Herzenswunsch erfüllt hat, dann wäre es doch schade, diesen Moment absoluten Glücks nur vernebelt mitbekommen zu haben. Und auch nur eine höchst nebulöse Erinnerung daran zu haben. 
Wer weiß, vielleicht wäre es im Drogenrausch gar nicht zu diesem Moment himmlischen Glücks gekommen, weil man etwa berauscht beim anderen (oder dem selben) Geschlecht gar nicht so gut ankommt. 

Wenn derjenige welcher selbst nicht so ganz klar im Kopf ist, macht das die Sache auch nicht wahrer und echter.

Aber diese Momente tiefster Seelenfreude klar und mit allen Nuancen zu erfassen und genießen zu können, nicht müde zu sein oder traurig, nicht berauscht oder benebelt, ihn mit allen Sinnen zu erleben, dafür lebt man, in diesen Momenten macht das Leben Sinn.
Ich danke meinem Schöpfer dafür, daß er mich eine Reihe von Augenblicken, an die zu denken mir immer noch die kleinen Nackenhärchen aufstehen läßt, im Augenblick völliger Klarheit und mit geschärften Sinnen hat erleben lassen. Wäre ich unter dem Einfluß von Kokain oder auch nur Marihuana gestanden, ich wäre wohl mehr mit mir und dem, was ich für die Empfindung gehalten hätte, beschäftigt gewesen, als mit einem göttlichen Erlebnis selbst.

Das wäre doch schade gewesen.

Wer nun sagt: Drogen erweitern doch auch den Horizont, dem sei gesagt: Drogen rücken den Horizont nur näher und man meint deshalb, man würde mehr erfassen. Jeder, der im Drogen- oder Alkoholrausch einmal Musik gemacht hat und sich genial fand und diese unglaubliche Musikalität aufgenommen und sich dann diese Aufnahmen nüchtern angehört hat und erschrocken war welchen Schrott man da fabriziert hat, der weiß, von was ich spreche.
Denn bewußtseinsverändernde Substanzen verändern eben das Bewußtsein, nicht die Fähigkeiten oder gar die Wirklichkeit. 

Es kommt einem nur so vor. Aber nur solange es einem so vorkommt.
Danach kommt die Ernüchterung. Und die Sucht. Und die Gefährdung der eigenen Gesundheit. Und jede Menge Probleme mit den Folgen des Drogenkonsums.

Aber das Universum ist dasselbe wie vorher. 

Kein Mensch kann das Universum als Ganzes erfassen. Wie könnte man da annehmen, er könnte es, wenn er seine geistigen und kognitiven Fähigkeiten chemisch einschränkt?
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