Keine Arbeit zu haben, wird im Behördendeutsch als "arbeitslos" bezeichnet. Ob es nun tatsächlich ein schweres Los für den einzelnen ist, keine Arbeit zu haben, ist individuell verschieden. Allerdings ist man eine Arbeit nur los, wenn man vorher eine hatte. So mancher aber, vor allem jüngere Arbeitslose, hatte noch nie eine Arbeitsstelle. 
Und auch impliziert der Begriff "arbeitslos" einen Zustand zwischen zwei entgeltlichen Beschäftigungen, was auf so manchen älteren Arbeitslosen, der aufgrund seines Alters - nach neuerer Betrachtungsweise diskriminierend - keine Stelle mehr finden wird, wo er seine Arbeitskraft einsetzen könnte.
In dieser Hinsicht ähneln sich junges Gemüse und altes Eisen mehr, als so manchem lieb wäre.

Der eine hatte in der Vergangenheit keine Arbeit, der andere wird in der Zukunft keine Arbeit haben. Und beide haben in der traurigen Gegenwart keine Beschäftigung.

In Deutschland kann man stolz darauf sein, daß auch Arbeitslose nicht durch das soziale Raster fallen und Unterstützung erfahren. Wenn diese auch nicht mehr so üppig ist wie ehedem, als man noch nicht einem Sozialhilfeempfänger gleichgestellt wurde, sondern sich die Leistung des Staates aus dem letzten Gehalt errechnet hat. Obwohl man nun weiter in eine Arbeitslosenversicherung einzahlt, bekommt man nur aus einem Topf mit Sozialhilfe Geld, das man auch bekommen hätte, wenn man nie gearbeitet und nie in die Sozialversicherung eingezahlt hätte.  Also: Warum zahlt man dann überhaupt in die Versicherung ein? Für das eine Jahr Arbeitslosengeld I könnte man mehr erwirtschaften, würde man das Geld sparen und anlegen.

So mancher Arbeitslose ahnt gar nicht, wieviel Selbstbestätigung und Kraft man gerade aus der Tatsache ziehen kann, von seiner eigenen Tätigkeit sich selbst unterhalten zu können, ohne jemand dankbar sein zu müssen. Wobei man als Arbeitsloser selten dankbar ist, sondern vor allem unzufrieden, zuweilen mit der Höhe der Ansprüche.

Nun könnte man die Zeit zwischen oder jedenfalls vor der Beschäftigung nutzen, seine Qualifikation zu verbessern und vor allem nach Arbeit zu suchen. Das könnte man dann auch als eine Art Gegenleistung für den übergangsweise gewährten sozialen Rettungsschirm ansehen. Leider scheren manche Menschen aus einem geregelten Alltag aus, geben ihrem Leben keine Struktur mehr und schaffen es auch nicht, sich wenigstens vor der sozialen Verwahrlosung zu retten. Sie schlafen lange, gehen spät ins Bett und schütten vor allem mehr Alkohol in ihren schlaffen Körper, als diesem bekommt. Dieses Verhalten prägt sich nicht nur in ihr soziales Gedächtnis, sondern auch in die allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft vom sogenannten "Langzeitarbeitslosen", so daß das Ansehen aller längerfristig Beschäftigungslosen zunehmend sinkt, was sich nicht eben günstig auf das ohnehin angeschlagene Selbstbewußtsein auswirkt.
Und dümmliches Privatfernsehen ab dem sehr späten Vormittag tut ein übriges.

Um so manchem, der täglich seinen Terminkalender in der Luft hängen läßt, wieder ein wenig an eine geregelte Tätigkeit heranzuführen, ist man dazu übergegegangen, Arbeitslose zum Nutzen der Allgemeinheit für ein sehr geringes Zubrot zwangszuverpflichten, niedere Tätigkeiten auszuführen. So mancher rechnet diese Ein-Euro-Jobs als zu schlecht bezahlt, wobei man genaugenommen die gesamte, gezahlte Sozialhilfe als Einkommen ansehen sollte, weil auch der arbeitende Teil der Bevölkerung von seiner Hände Arbeit lebt, genau wie eben der Ein-Euro-Jobber von der Sozialhilfe plus Zubrot.
Das wird oft anders gesehen und es wird sich beschwert, daß man arbeiten muß.

Man hat zuweilen eben das Gefühl, man hätte ein Recht auf Arbeitslosigkeit und gleichzeitig angemessene Bezahlung.

Sozialhilfe ist knapp bemessen. Allerdings nicht so knapp, daß in so manchem Beruf selbst vollschichtig kaum das Niveau der staatlichen Unterstützung überschritten wird. In diesen Fällen hält man nicht etwa die Sozialhilfeansprüche für zu hoch, sondern den Stundenlohn für zu niedrig. Mit Wohngeld und Sonderzuwendungen wie Hausratszuschüssen, Sonderkonditionen bei Fernsehempfang und öffentlichem Nahverkehr kommt für den Nichtbeschäftigten da monatlich durchaus ein stattliches staatliches Sümmchen zusammen.
Geld, das die öffentlichen Haushalte zunehmend belastet.

Denn juristisch sollte Sozialhilfe die Ausnahme bleiben. Allein, vielerorten ist es zur Regel geworden.

Und die Welle gelernter Sozialhilfeempfänger, die aus Schulabbrechern und Unausgebildeten auf uns alle zukommt, gibt Anlaß zur Besorgnis. Statt Geld in die Sozialhilfe zu stecken und damit zu verlieren, sollte man sie lieber gewinnbringend in bessere Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten stecken. Wo es etwa schon an der deutschen Sprache scheitert (und das beileibe nicht nur bei Migranten), kann man sich kaum im Arbeitsalltag verständlich machen. Auch ohne das kleine Einmaleins und eine gewisse Grundbildung darf man junge Menschen nicht in das Erwachsenendasein entlassen.
Pessimisten sehen auch schon indische Verhältnisse auf uns alle zukommen, wo mangels finanzieller Möglichkeiten die Armen wieder buchstäblich auf der Straße sitzen und die wenigen Arbeitenden anbetteln.

Wobei jeder von uns in eine Notlage kommen könnte.

Aber auch jeder ist doch überwiegend seines Glückes Schmied. Man muß aber das heiße Eisen schmieden, solange man noch heiß ist. Ist die Begierde zu arbeiten erkaltet, ist es schwer, sie wieder aufzuwärmen. 
Und wer kann sich schon für die Arbeit erwärmen, vor allem, wenn er mangels Alternativen gar nicht erkennt, daß das süße Nichtstun ganz schön bitter sein kann. 
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