Im Fasching fällt etwas auf und gleichzeitig weg, was insbesondere die Damen betrifft (nicht alle, aber doch die Mehrheit): Das ganze Jahr über schminken sich vor allem Vertreterinnen des wie auch immer gearteten (soll heißen: nicht unbedingt des schwachen) Geschlechtes und zeigen damit der Welt eine Maske ihres Gesichtes, nicht das Gesicht selbst. Solche Gedanken sind natürlich ketzerisch.
Undenkbar für manche Frauen, sich nicht zu schminken. 

Diese Maxime darf man nicht einmal überdenken. 

Ich will es doch einmal tun und daran erinnern, daß Schminke nichts natürliches ist, so wie Gott einen schuf. Und Schminke soll in aller Regel - von Karneval einmal ausgenommen - jünger machen. Man soll frischer aussehen, gesünder. Weniger gut durchblutete Lippen wird mit Farbe ein Quell an hellrotem Blut vorgegaukelt. Augen werden optisch vergrößert, eine Auswirkung des wenig emanzipatorischen Kindchenschemas. Rouge wird aufgetragen, um Erröten vorzutäuschen, eine Demutsgeste und damit auch kein Feigenblatt der Emanzipation. Der blasse Teint wird gebräunt, um ein wenig Mallorca ins regnerische Deutschland zu holen.
Kurzum: Der Natur wird nachgeholfen.

Das geht so weit, daß sich einige weibliche Wesen ungeschminkt nicht mehr auf die Straße trauen. Daß sie damit indirekt bestätigen, daß sie der Welt optisch immer nur einen Zustand vorspiegeln, der in Wahrheit nicht gegeben ist, werden sie vermutlich empört von sich weisen. Die Männer werden schon wissen, daß sie da eine Mogelpackung vor sich haben und insoweit sind sie nicht betrogen. Denn jeder weiß, daß kaum eine Frau in Wirklichkeit so ausschaut, wie sie sich der Allgemeinheit zeigt. Treibt man den Schönheitskult auf die Spitze und läßt sich die Haare färben und legen und das Gesicht insgesamt schminken, bleibt im Grunde nicht viel übrig von der wahren Person, die man da vor sich hat. Fallen am Aschermittwoch die Masken der Narren, fallen die Masken der Frauen oft schon am nächsten Morgen nach der ersten Nacht der Nächte.
Hat man dann noch bestanden, lag es wohl nicht an der Schminke, daß man sich anziehend fand.

Ist man dann schnell allein, fragt sich, welchen tieferen Sinn diese Art der Täuschung dann hat.

Viele Frauen begegnen diese Vorhaltungen mit dem Einwand, sie "täten das nicht für die Männer, sondern für sich". Was, all dies Kosten und Mühen, nur um etwas zu bewerkstelligen, was man selbst gar nicht zu Gesicht bekommt? All dies frühe Aufstehen an den Arbeitstagen, nur, damit man anziehend an einer Supermarktkasse oder in einem Büro sitzt? Teure Kosmetika von seinem sauer verdienten Geld erwerben, nur, um sie sich ausgerechnet in den Bereich des eigenen Körpers zu schmieren, den man selbst gar nicht sehen kann? Sich die Fingernägel verlängern zu lassen, die dann jeder Handreichung im Wege stehen? Sich auf hohen Absätzen bewußt die Füße kaputt zumachen, um bei jedem Kopfsteinpflaster Gefahr zu laufen (oder eher: zu trippeln), sich den Hals zu brechen?
Alles nur für sich selbst? 

Kaum zu glauben.

Wer ist man dann, wenn man das alles nötig hat? Und was bleib von einem übrig, wenn man im Grunde nie sein wahres Gesicht gezeigt hat? Lebt man nur für den Augenblick? Ist er das wert? Wenn die ersten Falten kommen, die man selbst ebenfalls nicht sehen kann, warum ist das dann relevant?
Nein, an die These, man diene sich damit nur selbst, mag ich nicht so recht zu glauben.

Ich glaube eher: Man setzt sich durchaus in Beziehung zu seinen Mitmenschen, mögen es Männer oder über den Konkurrenzkampf Frauen sein. Man wagt nicht anzukratzen, was man für allgemein anerkannt hält und hält daher die ungeschminkte Wahrheit für nicht tragbar. 
Jedenfalls nicht im Gesicht.

Vielleicht im Herzen. Aber wer kann dort schon hineinschauen. 
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