Ist es wirklich nur Gedankenlosigkeit von Alkohol oder anderen betäubenden Stoffen Vernebelter, sich an Dinge zu halten, die der Allgemeinheit dienen, wenn der wilde Zorn über die Ungerechtigkeit der Welt über sie kommt und sich in ungezügelter Zerstörungswut äußert? Ist es wirklich Zufall, daß es dann vor allem Gegenstände betrifft, die auch andere Menschen als der Vandale benutzen wollen?
Daß dann Schilder oder Laternen oder auch der Klassiker - etwas vom Aussterben bedroht - die Telefonzellen dran glauben müssen, wenn schon den Verursachern der Schäden offenbar jeder Glaube an etwas fehlt?
Oder ist die Beschädigung allgemeingebräuchlicher Gegenstände Absicht? Wollen damit die Berserker ein Zeichen setzen? Denn sich an wehrlosen Dingen abzureagieren, die keinen kümmern, mag den Spaß am Kaputtmachen erheblich beeinträchtigen.

Man will vermutlich auch ein Zeichen setzen, daß es einen noch gibt. 

In meiner Heimatstadt faßte die innvovative und soziale Seite des Stadtrates einmal den Entschluß, allen Bürgern unentgeltlich Fahrräder zur Verfügung zu stellen. Man wollte damit das Verkehrsaufkommen mindern, die Qualität der Luft verbessern und auch etwas für die Fitness der Einwohner tun, alles löbliche Intentionen. Man stellte sogar ein paar Arbeitslose ein, um die notwenigen Reparaturen durchzuführen, war aber nicht darauf eingestellt, daß die Menschen mit den umweltfreundlichen Drahteseln vor allem eines machten: Sie platt und das nicht nur an den Reifen.
Also stellte man das ganze Vorhaben ein, nachdem jüngere Mitbürger sogar mutwillig auf den Rädern herumgetrampelt waren.

Eine durchaus sinnvolle Aktion mit Füßen getreten.

Welchen tieferen Sinn hat ein solches Verhalten? Ist das noch mit sozialer Kälte zu erklären, mit dem üblichen Bild von der auseinander klaffenden Schere zwischen reich und arm? Man ist hierzulande ja schon glücklich, daß sich noch nicht bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen wie in Griechenland oder Frankreich.
Dennoch: Vandalismus hat Tradition und ist nicht auszurotten.

Mäxchen Hohlkopf: Vandale in der vierten Generation.

Vielleicht sollte man den Zerstörern Sollbruchstellen (interessantes Wort: Stellen, also Orte, wo etwas zu Bruch gehen soll) zur Verfügung stellen, öffentliche Dinge an öffentlichen Plätzen mit der ausdrücklichen Erlaubnis, diese Dinge können und dürfen beschädigt werden? Ran mit dem Stiefel, ran mit dem Sprühlack an diese riesigen Haufen Blech und Glas, daß es nur so kracht. Das könnte sogar als Kunstaktion durchgehen und würde vielleicht sogar noch Sponsoren anlocken (wie fast alles, was neu und blödsinnig ist, Werbeleute anlockt). Es diente öffentlichen Zwecken und damit auch dem Zweck des Vandalen, die, die nach ihm kommen, durch sein Tun zu beeindrucken.
Denn was der eine Vandale kaputt gemacht hat, das kann ein weiterer nicht mehr beschädigen. 

Und Aufsehen erregte es auch, wenn gewünscht, sogar Abscheu.

Klar ist das ein vergeblicher Vorschlag, denn der Reiz der Sachbeschädigung liegt sicher auch darin, daß sie verboten ist.
Etwas durch Erlaubnis den Boden zu entziehen, das wäre ja bodenlos.

Vielleicht hilft auch ein wenig mehr Zivilcourage im Alltag: Nicht immer nur wegsehen, wenn jemand seine rohe Wut an Gegenständen des öffentlichen Nutzens ausläßt, denn es geht ja auch um die eigene Umgebung und den eigenen Nutzen.
Aber darum zu bitten, das wäre noch utopischer als dieser unsägliche Vorschlag mit den Sollbruchstellen.

Auch das Wegsehen ist traditionsreich. 
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