Sicher gibt es den sozialen Rettungsschirm, um sich einigermaßen - und, wenn man das Risiko nicht scheut und keinerlei soziales Gewissen hat, kann man noch nebenbei schwarz ein bißchen etwas einnehmen - über das kalte Wasser zu halten.
Insofern komfortabler lebt man aber von Arbeit.

Das liegt nicht jedem.

Nun ist Arbeit aber nicht jenseits des Spaßes. Früher hat man das unbedingt so gesehen: Da galt Arbeit nur als etwas, was mit Unbill zu tun hat. Arbeit mußte unangenehm sein, um anerkannt zu sein. Machte sie etwa noch so etwas wie Spaß, handelte es sich nicht um Arbeit, da mochte sie noch so viel Gewinn abwerfen, wie sie wollte: Mit Freude durfte das nichts zu tun haben.
Denn ansonsten hätten Eltern die ganze Schulzeit ihrer Zöglinge umsonst mit dem Ernst des Lebens gedroht.

Und nur, wer sich selbst kasteite, konnte als erwachsen durchgehen.

Heute darf Arbeit auch Spaß manchen. Umso mehr, als sich die Gesellschaft immer mehr über den Grad an Spaß definiert, den es zu erarbeiten gilt. Macht etwas keinen Spaß, setzt sich der Spaßverderber des Verdachtes einer Spaßbremse aus.
Spaßbremsen sind Spielverderber, denn das Leben ist ein Spiel, so sind nun einmal die Spielregeln.

Merkwürdig nur, wer die ganzen Jobs ausführt, die so gar nicht nach Spaß klingen, wer auch mal ins Büro fährt, wenn er doch lieber noch im Bett bliebe oder sonst was täte, wer sich dafür aufopfert, daß andere es bequemer haben.
Die müssen den Spaß aus dem großen Ganzen ziehen oder einfach Masochisten werden.

Dabei ist Arbeit noch mehr als bezahlte Freizeit. Denn viele definieren sich auch über ihre Arbeit und sehen darin so etwas wie ihre Lebensaufgabe. Dort ist ihr Platz, da gehören sie hin. Da würde man sie vermissen, wenn sie einmal nicht mehr kämen, auch wenn sie nach ihrem Ausscheiden nahtlos ersetzt werden. Da fühlen sie sich wohl, auch, wenn sie sich da nicht wirklich wohlfühlen.
Es ist nicht nur das Gefühl, niemandem auf der Tasche zu liegen.

Es ist das Gefühl, jemand zu sein und irgendwo dazuzugehören.

Das kann sich so mancher gelernte Sozialhilfeempfänger, der unter diesem Zustand nicht wirklich leidet (auch das gibt es nicht unbedingt selten), sich nicht wirklich vorstellen. Daß man etwas vermißt, wenn man morgens bei nachtschlafender Zeit an eine Arbeitsstelle fährt, wo einem jemand, der nicht dein Freund ist, etwas anschafft, was man nicht unbedingt gerne tut.
Und dennoch diesen Zustand genießt, Geld zu verdienen und damit selbstverantwortlich zu leben.

Daß einem die Decke zu Hause auf den Kopf fiele, wenn dieser oder die Hände allzu lange im Schoße des Staates ruhen würden. 

Spaß sieht anders aus. Aber möglicherweise ist der Spaß doch nicht der Gradmesser des Lebens. Vielleicht ist die Ethik doch höher zu bewerten, die Würde, etwas beizutragen, der Stolz darauf, was man selbst leistet, die Freude, zu was man doch imstande ist.
So mancher lebt auf, wenn er nach einer Periode der Arbeitslosigkeit wieder eine Stelle findet.

Leben muß doch etwas anderes sein als immerwährender Spaß. Oder der Spaß besteht darin, etwas mit seiner Zeit anzufangen, was auch ein Stück Freiheit einbringt, die man sich durch Abschluß des Arbeitsvertrages nimmt.
Aber eben freiwillig.

Keine Arbeit zu haben ist nun mal nicht immer freiwillig. Keine Arbeit zu haben macht keinen Spaß. 
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