Wie mißt man den Wert des Lebens? Kann man ihn überhaupt messen? Darf man ihn messen? Etwa noch in schnödem Mammon?
Juristen setzen bisweilen Schadensersatz für Hinterbliebene fest.

Allerdings nur für eigene Schäden naher Verwandter, etwa durch den Schock der Todesnachricht. Der Verblichene hätte von einer finanziellen Wiedergutmachung ohenhin wohl wenig.

Man ist versucht zu glauben, jedes Leben wäre gleich viel wert und unbezahlbar. Dennoch sind wir in der westlichen Welt darauf geeicht, allem einen Marktwert zuzuschreiben.
Nur: Leben ist auf dem Markt nicht erhältlich.

So macher würde sonst Katze spielen und sich noch acht Leben dazukaufen, wenn er entsprechend vermögend ist.

Außerdem kann man nichts in das mögliche Leben nach dem Tod mitnehmen. Nicht einmal sein nacktes Leben. Allerdings kann man eine Menge da lassen, irdische Güter in Hülle und Fülle, über die sich die Erben freuen dürfen.
Und noch etwas kann man hinterlassen. Aber nicht vererben.

Ruhm und Ehre.

In den Augen so mancher Überlebender ist Ruhm gar nicht hoch genug einzuschätzen und macht letztlich auch den Marktwert eines Menschen aus. Zudem kann man sich durch Bekanntheit so etwas wie als vorhanden beweisen. Diejenigen, die einen kennen, legen insoweit Zeugnis ab, daß es den Ruhmreichen wirklich gegeben hat. Nur, wer auch im Gedächtnis seiner Zeitgenossen eingraviert ist, wird seinen Tod in den Köpfen seiner Mitmenschen überleben.
Darauf zielen viele Zeitgenossen ab.

Und wenn es nur für die berühmten 15 Minuten sei.

Dafür nimmt so mancher im Vergessen begriffener Mensch viel in Kauf. Blut, Schweiß und Tränen oder auch mal die eine oder andere Kröte - oder neuerdings: Made oder Kakerlake - die es zu schlucken gilt. Hauptsache, man ist in irgendeiner Zeitung zu sehen, wie man sein wunderbares Leben vorlebt.
Oder zumindest so tut.

Zu tun als ob ist eine Tätigkeit, die neuerdings einen erheblichen Marktwert hat.

In der heutigen Zeit kann man sogar für nichts als seine eigene Berühmtheit berühmt sein, weil es offenbar genug Menschen gibt, die dem Ruhm als solchem Tribut zu zollen bereit sind. Mußte man früher noch irgendeine Leistung vollbringen, eine bahnbrechende Erfindung oder eine große Entdeckung vorweisen können, so genügt es mittlerweile, zumindest jemanden zu kennen, der berühmt ist oder zumindest so tut. Viele gelbe Zeitungsseiten, viele plüschige Boulevardmagazine im Privatfernsehen haben Sendezeit zu füllen.
Sie können zumindest so tun als ob.

Und das gilt aktuell auch als herausragende Leistung.

Nur ist nach einer Binsenweisheit nichts vergänglicher als der Ruhm. Also gilt es, gegen die Halbwertszeit des Flüchtigen anzukämpfen und versuchen, stetig in den Gazetten zu erscheinen. Das ist der Grund, warum man auch seinen berüchtigten Kopf (dazu ist er also da) in alles zu halten, was auch nur annähernd wie eine Kamera aussieht.
Allerdings: Was hat die Menschheit davon?

Früher war der Ruhm die Belohnung für eine Leiestung, die die Menschheit zumindest in irgendeiner Form weitergebracht hat. Also verdient, wenn man an etwas schon nichts verdient hat, weil man es eben nur für Gotteslohn getan hat - und für Ruhm und Ehre. Heute hat man nichts geleistet, aber man kann zumindest den Ruhm in klingende Münze umwandeln, wenn man werbewirksam genug ist.
Paradox, wie sich die Zeiten wandeln.

Ist das der Versuch Gottes, daß die Menschheit sich nicht weiterentwickeln soll?

Oder ist der Grund banaler: Alles ist etwas wert, dann wird auch der nackte Ruhm an und für sich wertvoll sein. Diesen kann man bemessen im Gegensatz zum Leben selbst.
Denn durch diese Art Ruhm wird das Leben entwertet.

Es zu verschwenden, einem Ruhm nachzujagen, der durch nichts begründet ist, macht das Leben letzlich wertlos.

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