Wissen ist Macht, heißt es. Warum hat dann die Kirche so viel Macht, wo es gerade nicht darum geht, ausschließlich an etwas zu glauben? Der Einfluß des Pabstes ist, auch in unserer - ach! - so aufgeklärten Welt immer noch ungebrochen. Zwar wirken seine Appelle zum Verzicht auf Geburtenkontrolle hierzulande wenig, zumindest spürbar weniger als in armen Ländern, wo man ohnehin kaum etwas anderes hat als den Glauben.
Und nicht alle Kindlein ernähren kann, die Gott dann bald zu sich nimmt.

Lasset die Kindlein zu mir kommen.

Glaube an sich ist nicht verwerflich. Wer könnte sich auch die bloße Existenz als solche rein naturwissenschaftlich erklären? Auch, wer an den Big Bang glaubt, macht die Welten, nicht zuletzt unserer Erde nicht nachvollziehbarer. Da mag sich die Physik noch so nah an den ersten Zeitpunkt  heranrechnen: Wie aus der ersten Explosion all diese Pracht an Flora und Fauna entstanden sein soll, all die Pflanzen mit ihren verschiedenartigsten Blättern und Blüten, all die Tiere mit ihrer schier unglaublichen Vielfalt an Formen und Farben, das scheint durch einen Zufall kaum zustandekommen zu können.
Da hat schon jemand seine Hand im Spiel, der mehr ist als das, was wir Menschen erklären könnten.

Nicht zu vergessen: Durch den Big Bang soll auch ich und mein Bewußtsein und du und deines einfach so entstanden sein.

Und auch die Tatsache an sich, daß es uns gibt, ist allein schon wunderbar und nicht erklärbar. Denn ob es vor der Existenz nichts gegeben haben könnte, um dann von selbst die Existenz an sich hervorzubringen, das ist nicht logisch begründbar. Und wenn immer schon etwas war, warum bin ich dann nicht von Anfang an bewußt dabei und werde das Ende nicht mehr lebend erleben?
Abstrus, daß es etwas außerhalb unseres Selbst geben mag. Aber wohl der Fall.

Kurz und gut: Ich glaube an einen Gott (und nein: Ich glaube nicht an Intelligent Design oder Kreationismus. Die Evolutionstheorie ist nicht widerlegbar. Allerdings glaube ich, daß Gott die Naturgesetze geschaffen haben könnte).
Das mag jeder halten, wie er mag. Und ich erkenne das Recht an, auch nicht an Gott zu glauben.

Gluabensfreiheit unfaßt auch das Recht, Atheist zu sein.

Allerdings meine ich, daß Glauben nicht unbedingt etwas mit Kirche zu tun hat. Ich empfinde es vielmehr als Anmaßung der Kirche als Institution anzunehmen, daß es außerhalb der Kirche keinen wahren Glauben geben kann.
Denn Glauben hat mit der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft nicht das geringste zu tun.

Ich habe mal vor einer Schulklasse die These vertreten, es würde nirgendwo soviel gelogen wie im Gerichtssaal. Die Schüler widersprachen und meinten: In der Kirche vielleicht. Dem konnte ich nicht widersprechen. Wieviel unchristliches Verhalten man insbesondere von Angehörigen der Glaubensgemeinschaften erleben muß, wieviel Härte, Intoleranz und Mißgunst, Neid und Lügenhaftigkeit, das ist keine Werbung für die Aufrichtigkeit der Institution Kirche.

Sicher wird dort auch gute Arbeit geleistet; Seelsorge, Armenspeisung und Hilfeangebote unterschiedlichster Art greifen täglich Bedürftigen unter die Arme. Arme wie Reiche finden dort Trost und oftmals auch ein offenes Ohr. Und auch will ich nicht verhehlen, daß ich immer wieder Menschen getroffen habe, deren tiefer Glaube mich beeindruckt hat.
Dennoch bin ich aus der Kirche ausgetreten.

Und glaube doch immer noch an Gott. Eben nur nicht an die Kirche.

Und die Kirche meint nun, ich könnte nicht richtig glauben, ansonsten ich doch noch Mitglied wäre. Warum sollte es außerhalb der Kirche keinen wahren Glauben geben? Gott ist doch auch überall, nicht nur in der Kirche. Und wer sich außerhalb der Kirche eigensüchtig und unchristlich verhält, der rettet doch nichts mehr, wenn er Kirchensteuer zahlt und sonntäglich so tut, als würde er um die armen verirrten Seelen der Ungläubigen beten.
Pharisäertum ist weit verbreitet in Kirchenkreisen.

Genauso wie Machtspielchen.

Die Geschichte der Kirche ist gespickt mit Gewalt und Brutalität, mit Hexenverbrennung, Kreuzzügen und Kriegen aus religiösen Gründen (die allerdings manchmal nur vorgeschoben sind). Von dem ungeheuren Reichtum, den die Kirchen im Laufe der Geschichte angehäuft haben, gar nicht erst zu reden.

Nur, weil ich damit nichts zu tun haben will, soll ich nunmehr von Glauben abgefallen sein? Diese Vorstellung, die zwischen Kirche und Glauben nicht unterscheidet, stammt aus dem Mittelalter. Sie ist längst überwunden und die Kirche hat auch die Mittel nicht mehr, dagegen anzugehen.
Das ist einer der Gründe dafür, warum den Kirchen auch die Menschen davon laufen.

Irgendwann werden wir möglicherweise - nicht einmal das ist klar - alle die Wahrheit erfahren und sind nicht mehr auf den Glauben angewiesen.
Bis dahin lasse ich mir nicht vorschreiben, an was ich zu glauben habe.

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