Ein Wesenszug des Menschen hilft ihm über schwere Zeiten hinweg: Der Drang, immer mehr zu wollen und alles, was man kriegen kann tunlichst einzutüten und zu Hause zu horten. Allerdings: Die Zeiten sind - allen Unkenrufen zum Trotz - bei weitem nicht so hart, wie sie es in der Steinzeit noch gewesen sein mögen.
Denn aus dieser Zeit stammt der Trieb, der sich den heutigen Gegebenheiten offenbar nicht angepaßt hat.

Verhungern müßte eigentlich keiner.

Doch auch, wenn es alles im Überfluß gibt - das meine ich so, wie ich es sage - , beanspruchen einge mehr als ihnen zustehen würde. Das hat nun zur Folge, daß eben nicht alle teilhaben können am Wohlstand. Und das nicht nur in der Zweidrittel-Welt.
Sondern auch hierzulande, wo es auch bittere Armut direkt vor der Haustür gibt.

Wenn manche sich mit weniger bescheiden würden, wäre der Mangel an anderer Stelle nicht so groß.

Es mag ja vernünftig sein, sich für schlechte Zeiten ein kleines Notpolster anzulegen. Aber alles zu hamstern, was in die Wohnung und auf das Bankkonto geht, was hat das für einen tieferen Sinn? Wenn man Normalverdiener ist, ist es sicher nicht jenseits aller Vernunft, sich einen kleinen Notgroschen auf die hohe Kante zu legen. Man kann ja nie wissen.
Aber warum - um ein beliebiges Beispiel zu nennen, hat es jemand nötig, der schwerreich ist, seine Schäfchen alle im sehr, sehr Trockenen hat, noch einige Millionen vorbei an der Steuer auf ein geheimes Konto in einer sogenannten Steueroase zu verstecken?
Nennen wir ihn der Einfachheit halber Herrn Z., oder, noch besser: Klaus.

Also, Klaus hat mehr Geld, als er verbrauchen kann, er hat nicht nur ein Dach über dem Kopf, er hat gleich mehrere Dächer; soviele Köpfe hat er gar nicht, daß er sie alle unter so viele Dächer stecken müßte. Auch kann er sich alle Lebensmittel dieser Erde leisten die exquisitesten Speisen; er kann reisen, wohin er will; er kann sich im Notfall erstklassiger Ärzte bedienen und für das eine oder andere Steckenpferd ist auch noch genügend Bares vorhanden, um die Zeit auf hohem Niveau tot zu schlagen.
Aber das genügt ihm offenbar nicht.

Denn darüber hinaus will er am Fiskus vorbei noch Geld, das er in diesem Leben gar nicht mehr benötigt, auf ein Konto im Ausland legen, nur, damit er irgendwo noch mehr Geld auf einem Konto weiß, das er überhaupt nicht braucht.
Glaubt er an harte Zeiten, die ihn all seine Häuser und Autos kosten könnten?

Nur, wenn die Zeiten so hart werden, kann er das Schwarzgeld auch vergessen. Denn wenn alles zusammenbricht, haben selbst die Banken keinen Bestand (diese sind lang nicht so stabil, wie man immer dachte, wie auch Hardliner-Kapitalisten jüngst lernen mußten).
Wenn die ganze westliche Welt zusammenfällt, dann sollte sich der Klaus Sorgen machen.

Aber das ist unwahrscheinlicher als das berühmte Kamel, das durch ein Nadelör schreitet.

Also gar keine Gefahr für den Klaus. Warum also diese Bedenken? Warum will er von seinem Geld nichts abgeben, daß der deutsche Staat das Geld mehr oder weniger sinnvoll für die Allgemeinheit einsetzen kann? Glaubt er nicht an die Werte der Allgemeinheit?
An was glaubt der Klaus?

Ob jemand, der so unsozial denkt, irgendwelche Glaubenssätze hat, ist fraglich. Gier mag unter Wölfen ein wichtiger Faktor zum Überleben sein.
Allein, wir sind keine Wölfe.

Wir sind Menschen.

Auch, wenn das nicht jedem klar zu sein scheint.

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