Es ist etwas Wertvolles, auf etwas hoffen zu können. Es heißt, ein Mensch ohne Hoffnung sei nicht lebensfähig. Manchmal hat man sogar den Eindruck, die Hoffnung auf etwas mag dem Erlangen des Erhofften vorzuziehen sein. Denn wenn man etwas Erhofftes erreicht hat, fällt das Ziel weg.
Sofern man sich nicht etwas Neues sucht.

Ein Perpetuum Mobile, das einen bewegt, etwas zu bewegen.

Ist der Mensch so? Nur dann lebenslustig, wenn er auf der Suche ist, nicht, wenn er gefunden hat? Hoffnung ist Leben, Stillstand ist Tod?
Kann man sich nicht einmal mit etwas bescheiden?

Muß es immer etwas sein, auf das man hofft?

Es sei denn, man setzt auf Utopien, hofft auf Weltfrieden (ein eherner Hauptwunsch  einfältiger Schönheitsköniginnen) oder Weltherrschaft, hofft darauf, auf der ganzen Welt bekannt zu sein oder diese zumindest aus den Angeln zu heben.
Allerdings beruhen auf den Utopien von gestern der Alltag von heute.

Immer wieder haben träumende Menschen die Menschheit vorangebracht, haben Erfinder und Entdecker ihre Hoffnungen auf Ruhm und Ehre oder Durchbruch zu Meisterleistungen veranlaßt. Oder auch aus bloßer Neugier der Menschheit Erfindungen oder Wissen geschenkt.
Ohne Hoffnung und Träume säßen wir alle noch um Herdfeuer in Höhlen.

Hoffen wir, daß auch solche Menschen, denen es noch so geht, irgendwann in den Genuß der Errungenschaften der Menschheit kommen, so sie es wollen.

Nicht immer sind es - zumindest auch - selbstsüchtige Gründe, die Menschen auf etwas hoffen lassen, was sich später als Glücksfall für alle Zeitgenossen und auch die Nachfahren entpuppt. Manchmal führt Hoffnung auf eine bessere Welt auch nur für Andere zu einer solchen. Ernten den Ruhm und den Lohn andere, werden andere Namen berühmt (etwa Lindbergh, der nun wirklich nicht der Erste war, der allein in einem Flugzeug den Atlantik überquerte).
Wobei man Weltverbesserern, die wirklich solche sind und sich nicht nur für solche halten, ihren Ruhm durchaus gönnen sollte.

Da es auch Ruhm für Dinge gibt, die niemandem nutzen, ist diese Art Ruhm, aus Hoffnung auf Verbesserung für andere geboren, allemal vorzuziehen.

Aber da gibt es noch die Hoffnungslosen, die Gescheiterten, die Gestrauchelten. Da gibt es noch die, die das Schlimmste befürchten und mit Bitterkeit an die Zukunft denken. Arme Wesen, die zu wenig anderem fähig sind als zu Depression und Pessimismus. Diese Menschen bedürfen des Trostes, den sie aber mißachten, weil die Welt ihnen trostlos erscheint. Sie hoffen auf nichts, sie haben keine Träume, geschweige denn Zuversicht, daß schon alles gut werden würde und einen Sinn habe.
Allerdings: Hat Hoffnung Sinn?

Oder ist Hoffnung nur Zeichen eines gesunden Empfindens für das Leben, um es zu meistern?

So dürfen nicht alle Wünsche erfüllt werden. Denn wenn alle Träume wahr werden, verschwindet die Hoffnung. Wer darauf erpicht ist, reich zu werden, ist nie zufrieden mit dem, was er hat. So viel er auch haben mag, er will immer mehr. Und wer darauf hofft, schöner zu sein, weil ihm seine eigene Nase nicht paßt, der läßt sich vielleicht die Nase orperieren. Um dann festzustellen, daß ihm nunmehr sein Kinn nicht gefällt, oder sein Mund, seine Augen, seine Ohren. Und selbst, wenn er alles hat plastisch verändern lassen, so sieht er noch Fehler, wo andere viel darum gäben, solche Fehler zu haben.
Wer immer darauf hofft, hinter den Horizont zu schauen, wird feststellen: Dort gibt es einen weiteren Horizont.

Und dahinter wieder einen.

Und das ist gut so. Denn wenn man ans Ende der Welt fände, das wäre vermutlich wirklich das Ende der Welt.

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