Die Wahl des ersten amerikanischen Präsidenten bringt etwas an den Tag, was es massiv in den Staaten, aber auch bei uns vor der Haustür gibt: Ressentiments gegenüber Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Manchmal subtil in mehr oder weniger bizarren Vorstellungen verpackt, wie die sexuelle Potenz des männlichen Schwarzen oder auch direkt wie der häufige Gebrauch des Wortes "Neger". Manchmal auch in der häßlichen Fratze offenen Rassenhasses.
Oft aber auch in Zwischentönen, zwischen unbedacht und unbedarft.

"Meine Damen und Herrn, liebe Neger", so begrüßte einst Bundespräsident Lübke in seiner legendären Ahnungslosigkeit Staatsgäste. Und noch heute gibt es durchaus Mitmenschen, die in dem Wort "Neger" nichts rassistisches sehen wollen. Aber in aller Regel wird es mit einem schrägen Unterton gesagt und offenbart damit eine Geisteshaltung, die man in unseren Gefilden eigentlich ausgerottet glaubte.

Warum machen die Leute eigentlich den Wert, den Charakter oder auch die Fähigkeiten eines Menschen an seiner Haustfarbe fest? Sind wir nicht alle dunkler als weiß? Wer weiß ist wie ein Blatt Papier, sollte dringend zum Arzt gehen. Wer weiß auch genau, welche Farbnuancen sich in der Linie seiner Vorfahren befindet?
Es ist doch wie beim Fernsehen: Die Zeiten, als alles nur in Schwarz-Weiß-Kategorien zu sehen war, sind endgültig vorbei.

Wie sehr farbige Mitmenschen im Alltag leiden müssen, bemerkt man erst, wenn man sie aus ihrem ganz normalen Nähkästchen plaudern hört. Von abfälligen Bemerkungen über üble Beschimpfungen bis hin zum tätlichen Angriff ist alles vertreten.
Und das in Mitteleuropa im 21. Jahrhundert, man glaubt es kaum.

Vielleicht ist das auch eine Chance, die Herr Obama der Welt eröffnet: Mit dunkler Hautfarbe wichtig sein, beliebt sein und Richtiges tun (hoffentlich) und damit bösen Vorurteilen den Bodensatz entziehen. Ein Vorbild, dem man sich nicht entziehen kann.
Über den Politiker Obama den Menschen sehen, über den Menschen auch andere Menschen als solche sehen.

Anfangen sollte man in seinem eigenen Umfeld. Habe ich früher nur weggehört, wenn jemand sich rassistisch äußerte, so lasse ich das nunmehr nicht mehr zu.
Die Rassisten sollen nicht glauben, daß sie auch noch im Recht sind.

Denn das sind sie nicht.

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