Was auffällt, ist, daß trotz zunehmender Vernetzung der Welt die Menschen immer einsamer werden.
Oder gerade deswegen?

Weil man sich nicht mehr persönlich gegenüber stehen muß?
Weil man sich in seiner Wohnung einfach an einen Rechner setzt und ein paar Zeilen in eine Tastatur hacken kann, statt Freunde zu treffen oder erst einmal zu finden?
Weil die Kontakte immer oberflächlich bleiben, wenn man sich nur ab und zu virtuell über den Weg läuft?
Oder weil die Verpflichtung, immer auch seine persönliche Freiheit im Blick zu haben, Bindungen im Wege steht?

Zunehmend haben die Menschen Angst davor, sich einander auszuliefern, sich zu vertrauen und auch etwas von den eigenen Ansprüchen zugunsten eines anderen abzurücken. Gleichzeitig werden die Ansprüche immer höher.
Die Medien suggerieren einen Lebensstil, den es zu erreichen gilt.

Und dazu gehört ein Partner, der so perfekt ist, daß es ihn wohl nicht in Wirklichkeit gibt.

Oder der, sofern es ihn doch geben sollte, von einem kaum etwas wissen will, weil er etwas Besseres haben kann. Manchmal hat man auch den Eindruck, solchermaßen hochgestochene Ansprüche sind auch ein Schutzmechanismus: Wenn ich die Ziele nur hoch genug stecke, kann ich sie nicht erreichen. So kann mich keiner verletzen.

So mancher mag auch seine Attraktivität überschätzen. So schön, wie sich so mancher findet, ist er halt dann doch nicht. Und die Selbsterkenntnis über sein Selbstbild kann der Anfang von einem Prozeß sein, bei anderen Menschen auch nicht so sehr auf allein positive Attribute zu lauern.

Weil man eben mit dem auskommen muß, mit was einen die Natur ausgestattet hat. Selbstverständlich kann man etwas aus sich machen. Aber: Wer ständig etwas aus sich macht, was er im Grunde nicht ist, der sollte sich nicht ungeschmickt der Wahrheit stellen. Denn aufgrund einer Lüge gemocht zu werden, kann nicht lange gut gehen.
Und sich ständig verstellen zu müssen, macht weder Spaß, noch ist es ehrlich oder wirklich befriedigend.

Und auch eine Rolle dürfte spielen, daß dauerhafte Beziehungen nur möglich sind, wenn man gelegentlich auch in der Lage sein muß, Talsohlen zu durchschreiten. Urlaub, Sand und Sonne miteinander zu genießen ist leicht. Aber durch Krankheit oder auch nur durch Phasen, in denen nicht ständig etwas Aufregendes passiert, hindurch zu kommen, ohne gleich das nicht immer nach Frische riechende Handtuch zu werfen, ist nicht leicht.
Und so mancher will es sich vielleicht auch leicht machen.

Aber leicht ist es nicht immer im Leben. Denn es ist gepflastert mit Problemen. Die allerdings lassen sich zu zweit leichter ertragen. Aber sie wollen auch akzeptiert werden.

Zudem: Wenn man ehrlich ist: So pflegeleicht, wie man sich selbst findet, ist man in aller Regel nicht. Also sollte man das auch nicht von seinem Partner erwarten. Der Trick besteht möglicherweise darin, die kleinen und großen Fehler, die Menschen nun einmal so haben, aufeinander abzustimmen.
Und nicht gleich aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen.

Sondern auch über manche Dinge hinwegsehen, die nicht wirklich von Bedeutung sind. So sind Streitigkeiten über nicht richtig verschlossene Zahnpastatuben (ja, die gibt es wirklich) Zwistigkeiten über der Bundeskanzlerin nicht vorhandener Bart.
Wo es doch deutlich Wichtigeres gibt im Leben, statt sich über Nichtigkeiten aufzuregen.

Manchmal ist man allerdings vielleicht auch nur in sich einsam. Dagegen hilft keine Gesellschaft. Dagegen hilft nur, in sich zu gehen und ein wenig ehrlicher zu sich zu sein.
Aber Ehrlichkeit, gerade noch von sich selbst zu verlangen, das ist viel verlangt.

Aber für eine gute Beziehung unabdingbar.

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