So beklagenswert der Krieg im Gaza-Streifen war und so begrüßenswert und richtig es gewesen ist, ihn zu beenden (am besten wäre es natürlich gewesen, ihn übehaupt nicht zu beginnen), so traurig ist eine Begleiterscheinung, die in allen Foren festzustellen war: So mancher ist auf den Anti-Kriegs-Zug mit antisemitischen Argumenten aufgesprungen. So wurde Israel die Daseinsberechtigung abgesprochen (eine Haltung, die angeblich durchschnittlich traurige 14 % der Bevölkerung teilen, die angeblich so unbraunen Linke-Anhänger sogar zu 28 %) oder auch daran "erinnert", daß die Israeli schon gar nicht aus Ägypten hätten ausziehen dürfen.
Letzteres Ereignis liegt nun schon ein paar tausend Jahre zurück.

Wenn man jedes Verhalten aller Völker solange aufrechnete, man käme auf abstruse Ergebnisse. Wo etwa läge die Herkunft der Deutschen?

Sicher muß man die Politik von Israel auch kritisieren dürfen, aber doch vor allem mit humanistischen und für alle Menschen gleichermaßen geltenden Argumenten. Haben wir alle vergessen, warum es überhaupt zur Gründung des israelischen Staates kam? Aus den Erfahrungen der Judenverfolgung wollte man den Juden einen Staat zuerkennen, nachdem schon während des Krieges, aber auch danach die Bereitschaft so einiger Völker, Juden aufzunehmen und vor dem Tode zu bewahren, traurigerweise nicht groß war.
Sie sollten eine sichere Zuflucht haben. Und diese sollte man ihnen auch zuerkennen.

Haben die Deutschen, haben wir Deutschen nicht auch ein Erbe, ja eine Verpflichtung, diesen Ressentiments entschieden entgegenzutreten? So etwas wie die Gnade der späten Geburt - das ist ein Unwort und eine schlechte Ausrede - gibt es nicht. Vielmehr müssen wir Deutschen unsere Verantwortung, die aus unserem Fehlverhalten resultiert, auch annehmen.
Sie besteht nicht darin, jedwedes Unrecht auch durch Israel zuzulassen oder gutzuheißen.

Aber sie besteht darin, Tendenzen, die Juden herabzuwürdigen nur aus dem Grund, weil sie Juden sind, entgegenzusteuern.

Sicher stellen sich nicht alle Nationen ihren Verantwortungen, wie man etwa an der Haltung der Türkei der Armenier oder auch der Amerikaner gegenüber der Urbevölkerung sieht. Aber ist dieses zum Teil schändliche Verhalten Grund genug, es ihnen an fehlender Einsicht gleich zu tun?
Ich meine: Wehret den Anfängen. Wenn man vom Frieden in Nahost redet, sollten auch die Israeli zu ihrem Recht kommen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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