Märchen beginnen meist mit den Worten: "Es war einmal ...". Und dann folgt eine Geschchte, von der jedermann (und jedefrau, nur nicht jedeskind) weiß, daß sie erfunden ist. Also im Grunde erlogen. Komisch, warum sind Märchen nur so beliebt? Wo doch alle Welt angeblich Ehrlichkeit über alles stellt.

Nur in der Literatur scheint das einerlei zu sein.

Da wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Alles freie Erfindung der Autoren, zumindest überwiegend. Selbst Bücher über historische Vorgänge sind vollgepfropft mit Vermutungen. Und Autobiographien? Das weiß doch jeder: Die sind gnadenlos geschönt, gespickt mit Verdrehungen und Rechtfertigungen.

Ist das ein Merkmal der Kunst?

Selbst in der Malerei entspricht selten etwas den realen Gegebenheiten. Portraits von Königen sind meist geschmeichelt, sonst hätte der Maler nie wieder einen Auftrag bekommen. Auch sind da mal blaue Gesichter zu sehen oder Geiger, die in der Luft schweben. Auch da also keine Ehrlichkeit. Höchstens in der abstrakten Kunst, denn die hat keine eindeutige Aussage. Wobei damit Künstler auch zuweilen verdecken, daß sie gar nicht malen können.

Und in der Fotographie? Nun, nicht erst seit Photoshop weiß man, daß gerade dort der Manipulation Tür und Tor geöffnet sind. Schon früher haben etwa die Russen unliebsame Zeitgenossen aus Fotos herausretuschiert.

Nein, auch da keine Wahrheit. Kunst ist auch die Kunst der Lüge.

Halt, die Musik: Die hat wenigstens keine klare Aussage (sofern nicht Text dazukommt, der zur Lüge tendiert).

Hurra, die Kunst ist also doch gerettet.

 

PS: Sogar geographische Karten sind in aller Regel gefälscht, vgl. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/geografie-fast-alle-laender-faelschen-landkarten-a-1185193.html

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