Man muß, denke ich, bei der aktuellen Diskussion um bis zur Unkenntlichkeit verschleierter Damen zwei Dinge unterscheiden:

1. Gefällt einem das? Mir eher nicht. Aber es gibt so Einges, was ich am Kleidungsstil meiner Zeitgenossen (und -innen) auszusetzen hätte. Und umgekehrt diese vermutlich an mir. Aber das ist meine private Meinung. Unbehagen oder persönliche Überzeugung ist aber kein Grund, anderen etwas vorzuschreiben. Pluralismus bedeutet auch, daß es das Recht gibt, andere Ansichten zu vetreten.

2. Entscheidend aber ist die Frage, ob man Menschen einen bestimmten Keidungsstil gesetzlich vorschreiben kann. Das mag in bestimmten Situationen gehen. Etwa über Sicherheitsvorschriften bei gefährlichen Berufen (etwa Helm oder feuerfeste Kleidung oder eine Schutzbrille) oder auch im Straßenverkehr. Ansonsten würde sich die Burka gerade hinter dem Steuer von Kraftfahrzeugen wohl flächendeckend durchsetzen. Aber im Allgemeinen, im Privaten kann man das wohl kaum in einem liberalen Rechtsstaat vorschreiben. Warum auch? Sollte nicht jeder nach seiner Facon glücklich werden? Oder auch unglücklich, wenn ihm oder ihr dies lieber ist? Immerhin gibt es die allgemeine Handlungsfreiheit des Artikel 2 Absatz I des Grundgesetzes, ein Abwehrrecht gegen Eingriffe des Staates. Um dieses einzuschränken, benötigt man mehr als Unbehagen.

Und wie soll ein Verbot bestimmter Kleidung durchgesetzt werden? Der französische Weg, Damen dazu zu bringen, sich am Strand Kleidung zu entledigen, erscheint nicht angemessen zu sein. Muß man bei einer Übertretung aus der Öffentlichkeit verschwinden? Auf kürzestem Wege? Wohin genau? Wer kontrolliert das? Eine Anti-Religionspolizei analog zu Ländern, deren rigide Gesetzeshandhabung westlichem Verständnis von Freiheit zuwiderläuft, sollte nicht das Ziel hierzulande sein.

Auch, wenn der überwiegende Teil der Bevölkerung anscheinend Vorbehalte gegen Verschleiherung hat: Ein Verbot düfte wohl spätestens vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben.

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