Da greift ein 17jähriger in einem Zug andere Passagiere mit einem Messer und einer Axt an. Und verletzte Dutzende, einige davon schwer. Dann kann der (mutmaßliche, muß man ja sagen) Täter zunächst fliehen, greift hierbei noch jemanden an und wird schließlich von Sicherheitskräften erschossen.

So weit wußte man die Lage letzte Nacht.

Eine Bundestagsabgeordnete stellte in einem Tweet die Frage, ob es nicht gereicht hätte, den Jugendlichen kampfunfähig zu schießen. Und erntet dafür viel Kritik von allen Seiten.

Das Problem ist hierbei zum einen, daß die Politikerin die konkrete Lage nicht kannte, nur die dürren Informationen, die ich oben aufgelistet habe. Aber auch ein Problem ist, daß die Kritiker die näheren Umstände des Todes des Flüchtlings auch nicht kannten. Und dennoch von vorneherein von Rechtfertigung der Tötung ausgehen. In der konkreten Situation kann die Tötung durchaus gerechtfertigt sein. Aber ob das der Fall ist, sollte man den Untersuchungen überlassen, die sich an den Vorgang anschließen werden.

Stattdessen wird die grüne Politikerin - ebenfalls ohne Kenntnisse der Fakten - für ihre Frage ohne Kenntnisse der Fakten gescholten. Wohl gemerkt: Die Tötung kann durchaus gerechtfertigt gewesen sein. Aber wer außer den Sicherheitskräften kann dies derzeit mit Sicherheit sagen?

Es fragt sich, welche Haltung die humanere ist: Schlicht die Frage zu stellen, ob der Tod eines Menschen notwendig und legitim war - oder ungefragt von der Rechtfertigung auszugehen (was genau genommen zuerst mal von der vorherigen Gewalttat des Verstorbenen unabhängig ist, sondern von der konkreten Gefährdungssituation abhängt).

Nicht jeder Straftäter wird in Deutschland getötet. Das sollte sich in einem Rechtsstaat von selbst verstehen.

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