Sofort fielen sie über mich her. Mir war nur gerade aufgefallen, daß einer der Anwesenden, im übrigen ein Erwachsener mit eigener Wohnung, von jemandem erzählte, der "23 Jahre alt sei und noch zuhause wohnte." Mir war klar, daß damit gemeint war, derjenige wohnte noch bei seinen Eltern. Aber ist das das Zuhause? Ich wohnte schon lange nicht mehr bei meinen Eltern - hatte aber dennoch ein Zuhause. Eines, das nichts mit dem Wohnort meiner Eltern zu tun hatte. Eine eigene Wohnung, wie eben auch der Erzähler.

Ich wagte, dies zur Sprache zu bringen. Weil es mir gerade auffiel. Ich hätte erwartet, daß die anderen dies auch interessant fänden. Statt dessen griffen sie mich an: Wer ich denn sei, daß ich ihnen quasi vorwarf, noch nicht erwachsen zu sein. Als wenn sie durch diese Wortwahl Defizite hätten.

Gerade wegen dieser Angriffe aber schienen sie wirklich Defizite zu haben.

Daher die Frage: Warum sagt man, jemand wohne noch zuhause, wenn er bei den Eltern wohnt, aber nicht mehr, wenn er eine eigene Wohnung hat? Offenbart man sich damit wirklich als kindlich, noch nicht dem Elternhaus entwachsen? Wann verliert sich diese Sicht auf das Wort "Zuhause"? Erst, wenn die Eltern tot sind? Wenn man eigene Kinder hat? Nie? Fühlt man sich außerhalb des eigenen Elternhauses nicht zuhause?

Scheint mir eine interessante Sicht zu sein.

Bitte jetzt nicht alle über mich herfallen.

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