Man liest immer wieder bei sogenannten "Hortfunden" aus der Bronzezeit, daß kiloweise gefundene Bronzegegenstände, gerade gleichartige wie Beile, doch keinen anderen Schluß zulassen, als daß diese Gegenstände aus religiösen Gründen den Göttern geopfert worden sein müssen.

Das leuchtet mir nicht ein.

Beile (später: Sicheln) sollen damals gewissermaßen standardisierte Waren gewesen sein, die man leichter transportieren konnte als das Ausgangsmaterial, das Erz. Das leuchtet ein. Aber warum dann bei Funden zwingend religiöse Gründe vorliegen müssen, aus denen man die Beile vergraben hat, weniger. Das mag naheliegen für Fundorte, die aufwendig präpariert wurden, etwa durch Steinwände. Aber die wenigsten Funde weisen solche Präparationen auf.

Grabbeigaben mögen auch religiös motiviert sein.

Aber Wenn Bronze in Form von Beilen leichter zu transportieren war, so kann es sich doch ganz banal auch um gescheiterte Transporte handeln. Schließlich gab es in der Bronzezeit nur wenige Bergwerke, in denen die Metalle Kupfer und Zinn gewonnen wurden. Transportiert wurden sie wohl über weite Strecken zu Fuß, soweit nicht mit dem Schiff erreichbar, mangels anderer Alternativen. Wenn nun einzelne Personen Beile transportierten, waren sie wohl stetig der Gefahr ausgesetzt, überfallen und ihrer Waren beraubt zu werden. Was lag da näher, als das wertvolle Gut zumindest nachts zu verstecken? Wenn man es vergrub, konnte man Räubern eher entgehen als wenn man im Besitz des Transportgutes war. So konnte man eher lebend davonkommen, denn dann gab es keine Gründe, die Reisenden unter Einsatz des Lebens - das der Räuber - zu überfallen.

Und wo hätte man es besser verstecken können, als es über Nacht zu vergraben? Eine Maßnahme in der Regel ohne viel Aufwand, aber mit viel Gewinn.

Gerade unbenutzte Beile und auch sonstige Bronzegegenstände, die keine Nutzungsspuren aufweisen, sprechen für diese Annahme: Dabei kann es sich um Auftragsarbeiten oder schlicht um Verkaufsgüter handeln, auf dem Weg zum Endverbraucher.

Daß man die Bronzegegenstände dann in der Neuzeit vergraben fand, kann durch Umstände bedingt sein, die man nicht voraussah. So wurden die Transportarbeiter trotz ihrer Vorsicht überfallen und fanden den Tod, konnten also ihre Schätze nicht mehr ausgraben.

Oder "fliegende" Händler deponierten das Transportgut in der Nähe des potentiellen Käufers und wollten dann erst einmal über den Preis verhandeln. Möglicherweise haben die Verhandlungen den Käufer nicht zufrieden gestellt und dann haben Auseinandersetzungen zum Tode der Händler geführt.

Denkbar natürlich auch, daß Gemeinschaften in einer konkreten Bedrohungssituation ihre wertvollsten Güter vor Plünderung schützen wollten

Das ist nur eine These, die aber näher liegt, als hinter jedem Phänomen der Bronzezeit gleich religiöse Kulte zu vermuten.

Was letztlich auch nur eine Annahme ist ohne jeden Beweis.

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