Es ist wohl auch dem Alter geschuldet, wenn man Angst vor Veränderung hat. Wenn man jung ist, will man gegen das Etablierte angehen. Man will gerade alte Strukturen aufbrechen. Man will alte Zöpfe abschneiden. Gegen die Hausmeistermenthalität: "Das haben schon immer so gemacht." Man kann auch lange Zeit etwas falsch machen, hieß es dann.

Allerdings haben sich früher Dinge nicht so rasant schnell geändert wie heute. Früher ist man als junger Erwachsener bei den Eltern zu Besuch gewesen und fand sein altes Zimmer unverändert vor. Jedes Poster jeder Gruppe, die man mal verehrt hatte, hing noch da, nur staubiger. Sogar das Wohnzimmer blieb bis zum bitteren Schluß, wie es schon immer war, in Gelsenkirchener Barock. Schon die Möbel umzustellen, wäre undenkbar gewesen. Heute kaufen manche Mitmenschen alle paar Jahre eine neue Couch. Und dekorieren regelmäßig das Schlafzimmer um. Und spätestens alle 10 Jahre ist eine neue Küche fällig.

Was auch spießig sein kann, wenn man das als festes Weltbild verficht.

Gegen die spießigen Eltern protestierte man natürlich mit lauter Rockmusik, rauh und unangepaßt. Man glaubte, damit den Alten gehörig in den Allerwertesten zu treten. Wie sind anders als Ihr, wir machen alles anders.

Heute treten die Helden von damals ins Rentenalter ein und nicht mehr regelmäßig auf. Wöchentlich stirbt einer der Idole unserer Jugend - nein nicht mehr an Drogen- und Alkoholexzessen, sondern ganz banal an Alterskrankheiten.

Sie hören zunehmend schlechter, müssen gar ihre Karriere aufgeben, wie etwa Herr Johnson von AC/DC.

Nachfolger soll ebenfalls ein etwas über das Haltbarkeitsdatum hinaus gekommener Gesangskünstler namens Axl Rose werden.

Und schon quellen die Foren im Netz über vor bösen Kommentaren. Angst vor Qualitätsverlust einer der letzten Bands, die noch heute so klingen wie in den 70ern? Oder doch altersbedinget Angst vor Veränderung? Dasselbe AC/DC-Plakat von 1979 an der Wand, aber zwei Sänger weiter dann doch erbitterter Widerstand dagegen, daß die Gruppe statt sich aufzulösen, weiter ihren unverwechselbaren Stil pflegt? Nur mit neuer, alter Stimme? Oder die Angst, daß ein wenig rosenhafte Waffe in den Gleichstrom-Wechselstrom-Klang hineinschießt?

Wo ist der Rock´n´Roll geblieben, als man "neue" Alben alter Gruppen auch dafür lobte, wie sie sich "neu erfunden" haben. Und diejenigen, die klangen, wie sie schon immer geklungen haben, schnell mal aus dem Plattenschrank aussortierte? Als Uriah Heep nach der gefühlt hundersten Platte, die eben nach Uriah Heep klang, nicht mehr hören konnte? Und heute klingt AC/DC noch immer wie AC/DC schon immer klang. Oder eben bald nicht mehr.

Wir werden es sehen. Oder hören.

Dinge ändern sich.

Vor allem wir selbst.

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