Ich habe Angst vor Überfremdung. Große Angst sogar. Die Anzahl der Technikhörigen etwa, denen die Natur zunehmend fremd wird, scheint ständig zuzunehmen. Bald wird uns jedes Wetter fremd sein, das es außerhalb klimatisierter Einkaufsmeilen geben mag. Bald werden Autos selbständig Menschen überfahren und das als unabwendbares Schicksal gesehen werden.

Auch diejenigen, denen Umweltschutz fremd ist, scheinen mehr und mehr zu werden. Wegwerfen statt Reparieren, jedes Jahr ein neues Mobiltelefon, ein neues Auto, gar neue Möbel.

Und zu guter Letzt auch die, die auf Deutschsein und Nationalstolz pochen, erheben zunehmend ihre krächzende Stimme. Kleinstaaterei, die dem Europagedanken fremd, ist steigt wieder im Kurs. Statt Grenzen einzureißen, hoffen sie wieder auf Deutschland in den Grenzen von - im schlimmsten Fall 1942. Sie sind mir fremd, die vermeintlichen Wutbürger, die mich als Gutmensch brandmarken und gegenüber allen, die anders sind, fremdeln. Fremdenverkehr, das könnte bald ein Schimpfwort sein, nicht die Hoffnung ganzer Regionen, die in Fremdenzimmern fremde Menschen bei sich übernachten lassen, damit diese in ihrer Fremde, unserer Heimat die schönsten Wochen des Jahres verleben. Sich die Welt ins Haus holen statt die Welt Welt sein lassen und Deutschland den Deutschen vorbehalten.

Ein fremdes Gefühl, die Heimat als Abschottungszone gegen alles zu sehen, was nicht der eigenen Existenz entspricht. Wer anders glaubt, anders ißt oder anders denkt, der gehört in seine eigene Heimat. Egal, ob sie eine haben. Egal, ob wir geholfen haben, sie zu zerstören.

Überfremdung. Ich habe Angst davor. Ich habe Angst, daß diejenigen, die an eine reine Lehre, reine Rasse oder reine Nation glauben, Überhand nehmen.

Sie sind mir fremd.

Und machen mir Angst.

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