Früher war der Hofnarr eine Institution, der als einziges Mitglied des Hofes dem König die Meinung sagen durfte. Verklausuliert zwar, im Gewande des Humors. Aber immerhin ließ man es dort hochoffiziell zu, daß seiner Hoheit ein Spiegel vorgehalten werden konnte.

Ohne seinen Kopf dafür zu riskieren.

Solche Hoifnarren sind selten. Zwar hat sich die Satire durch ihre politischen Vertreter, die Kabarettisten, verfeinert und etabliert. Man bleibt aber weitgehend unbeachtet, was tatsächliche Wirkung auf die Obrigkeit anbelangt. Die Zeiten, als in Bayern noch das Fernsehprogramm geändert wurde, wenn man dem Volke abweichende Meinung nicht zumuten wollte, liegen nun auch ein paar Jahrzehnte zurück. Heute läßt man sich zum Starkbieranstich ein wenig "derblecken" und macht fröhliche Miene zum redegewandten Spiel.

Ansonsten tut das Kabarett keinem weh, sofern es überhaupt zur Kenntnis genommen wird.

Und dann das: In einer Nischensendung im Abendprogramm läuft ein Hofnarr zu Höchstform auf und befördert sich selbst zur Person der Zeitgeschichte. Wagt sich an Grenzen und darüber hinaus und schafft es in die Abendnachrichten, gar auf das diplomatische Glatteis. Regt ganz Deutschland dazu an nachzudenken, was Beleidigung und was noch zulässige Kritik ist.Trägt ein böses Gedicht vor, von dem er sich ausdrücklich distanziert. Aber trägt es eben vor, gespickt mit Formalbeleidigungen. Allerdings im Kontext, daß der Angesprochene sich vorher allzu dünnhäutig dem eigenen Volk, aber auch fremden Völkern gegenüber zeigt. Still werden eigene Landsleute eingesperrt, werden Botschafter einbestellt, es in fremden Ländern doch gefälligst auch so zu handhaben.

Und da nimmt einer Anlauf und bietet eine Breitseite an, daß man den Mißstand nicht mehr übersehen kann. Daß da ein Staatsoberhaupt nicht nur die Meinung im eigenen Land unterdrückt, sondern dies auch in fremden Gestaden versucht.

Bravo, sage ich da. Nicht zu dem Gedicht als solchem, sondern zu dem gelungenen Coup, nach den gewalttätigen Angriffen der Terroristen auf unsere Freiheit nun auch gerne den subtileren Angriffen auf unsere Grundrechte ein Fanal zu setzen.

Danke dafür.

Freiheit für Böhmermann!

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