Die stille Zeit (ja, sie ist still, weil jeder vor dem Bildschirm sitzt und still per lautloser Tastatur kommuniziert) ist vor allem die Zeit großer Worte - oder was man dafür hält. Sprüche voller Poesie, aber ohne jedweden Humor werden - gerne mit ein paar reizenden Rechtschreibfehlern versehen - mit einem schmucken Rahmen versehen und dann ins Netz gepustet.

In Erwartung großer Zustimmung.

Seht her, welch tiefe Gedanken ich habe und mit Euch teile.

Aber wagt es ja nicht, das Haar in der Suppe zu finden - und seien es bloß die grammatikalischen Unzulänglichkeiten. Gewünscht ist allein Zustimmung - schließlich ist die Weihnachtszeit die Zeit des Friedens. Widerspruch wird nicht geduldet. Selbst Anmerkungen, die Unzufriedenheit nur zart andeuten, sind unerwünscht. Die hat das Christkind (oder neuerdings der Weihnachtsmann) nicht gebracht; die kommen direkt aus der Hölle der Spaßbremser. Man soll digital abnicken, nicht diskutieren. Schließlich enthält die wertvolle Botschaft alles, was gesagt werden muß. Ein Lächeln oder noch besser: Ein viereckiger, hochgereckter Daumen sind völlig ausreichend. Wir wollen keine Miesmacher, die diesen hehren Gedanken, der da so großzügig mit allen geteilt wurde, griesgrämig hinterfragt.

Komischerweise ist das nicht nur bei Dumpfbacken der Fall. Auch Zeitgenossen, die man eigentlich als eher selbstdenkend beschrieben hätte, sind da nicht anders.

Merkwürdig.

Zu diesem Artikel erwarte ich übrigens nichts als begeisterte Zustimmung.

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